Was ist das Gamma einer Option?
Das Gamma ist eine der wichtigsten griechischen Kennzahlen im Optionshandel. Es beschreibt, wie stark sich das Delta einer Option verändert, wenn sich der Preis des zugrunde liegenden Basiswerts bewegt. Während das Delta die Empfindlichkeit des Optionspreises gegenüber Kursbewegungen misst, zeigt das Gamma die Veränderungsrate dieser Empfindlichkeit an – also, wie dynamisch das Delta reagiert.
Bedeutung und Interpretation des Gamma-Werts
Das Gamma wird als positive Zahl angegeben, meist in Dezimalform. Ein hoher Gamma-Wert zeigt, dass das Delta schnell auf Preisänderungen des Basiswerts reagiert. Das bedeutet: Kleine Bewegungen im Markt können einen überproportionalen Effekt auf die Optionsbewertung haben. Ein niedriges Gamma hingegen deutet auf eine stabile Optionsbewertung hin, bei der das Delta weniger sensitiv auf Kursänderungen reagiert.
Beispiel zur Veranschaulichung
Wenn eine Option ein Delta von 0,5 und ein Gamma von 0,1 hat, würde ein Kursanstieg des Basiswerts um 1 Euro das Delta auf 0,6 erhöhen. Fällt der Kurs dagegen um 1 Euro, sinkt das Delta auf 0,4. Das Gamma zeigt somit, wie stark sich die Delta-Position des Traders verändert – was insbesondere für Portfolioabsicherungen und komplexe Strategien relevant ist.
Zusammenhang zwischen Gamma und Volatilität
Gamma ist besonders hoch, wenn sich die Option am Geld befindet, also wenn der Kurs des Basiswerts nahe am Ausübungspreis liegt. In diesen Situationen reagiert Delta besonders empfindlich, da schon kleine Kursbewegungen den Status der Option (im oder aus dem Geld) ändern können. Bei hoher Volatilität kann Gamma stark variieren, was zu erhöhter Marktunsicherheit und größeren Preisschwankungen bei Optionen führt.
Gamma und die Restlaufzeit
Das Gamma nimmt mit zunehmender Laufzeit der Option ab. Je länger die Laufzeit, desto geringer ist der Einfluss kurzfristiger Preisbewegungen auf das Delta. Kurz vor dem Verfall steigt das Gamma jedoch deutlich an, weil kleine Marktbewegungen dann große Auswirkungen auf das Delta haben können. Dieses Verhalten macht Gamma zu einem entscheidenden Faktor für kurzfristig orientierte Trader und Volatilitätsstrategien.
Bedeutung des Gamma für das Risikomanagement
Ein hohes Gamma bedeutet höhere Preisempfindlichkeit und damit mehr Risiko – sowohl positiv als auch negativ. Für Händler, die Risikomanagement aktiv betreiben, ist die Beobachtung des Gamma wichtig, um plötzliche Marktbewegungen besser abzufangen oder gezielt zu nutzen. Gamma wird häufig genutzt, um Positionen dynamisch abzusichern – ein Prozess, der als Gamma-Hedging bezeichnet wird.
Eine ausführliche Betrachtung der Gamma-Strategien findest du bei der Investopedia.
Wann ist das Gamma besonders hoch?
Gamma ist am höchsten, wenn sich die Option „am Geld“ befindet, also der Kurs des Basiswerts nahe am Strike liegt. Dann ändert sich das Delta bei kleinen Kursbewegungen besonders stark. Lies mehr im Artikel zu In-the-Money-Optionen.
Wie wirkt sich eine hohe Restlaufzeit auf Gamma aus?
Bei längeren Laufzeiten ist Gamma niedriger, da Preisschwankungen über die Zeit ausgeglichen werden können. Kurz vor Verfall wird Gamma dagegen stark höher. Mehr zur Optionslaufzeit erfährst du im Beitrag zur Preisbildung von Optionen.
Was ist der Unterschied zwischen Delta und Gamma?
Während Delta die Preisreaktion der Option misst, beschreibt Gamma die Änderung des Delta bei Bewegungen des Basiswerts. Gamma ist also die „zweite Ableitung“ des Optionspreises in Bezug auf den Basiswert. Lies dazu mehr im Artikel über Delta.
Hinweis: Dieser Artikel im Grundlagen-Bereich von InvestingNavi dient ausschließlich der grundlegenden Information und Bildung. Er stellt keine Anlageberatung, kein Angebot und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.
